Wasserwirtschaft weltweit nur privatwirtschaftlich machbar?
1,4 Milliarden Menschen sind nach Angaben der Vereinten Nationen
weltweit ohne ausreichende Trinkwasserversorgung. Die Zahl der Menschen,
die unter Wassermangel leiden, wird von ca. 450 Millionen in 29
Ländern auf 2,3 Milliarden im Jahre 2025 zunehmen.
Zu diesem Thema fand am 5. und 6. April 2000 im Bildungszentrum
für die Entsorgungs- und Wasserwirtschaft BEW in Duisburg eine
hochkarätig besetzte Fachtagung statt. Internationale Experten
aus Wirtschaft und Politik stellten praktische Lösungen vor
und diskutierten die Chancen und Risiken für die Wasserwirtschaft
auf dem globalen Markt.
Weltweit muss der Einsatz von Kapital für Wasserver- und Entsorgung
von derzeit jährlich ca. € 60 Mrd. verdreifacht werden,
damit innerhalb einer Generation die meisten Menschen mit unbedenklichem
Trinkwasser versorgt werden können.
Die öffentliche Hand kann weder in den Entwicklungsländern
selbst noch im Rahmen der internationalen Entwicklungshilfe diese
zusätzlichen Mittel aufbringen. Privates Kapital ist daher
gefragt. Die Entwicklung weltweit zeigt, dass privatwirtschaftliche
Lösungen unterschiedlichster Form, von Management und Betreiberaufgaben
über Konzessionen und Privatisierung, gesucht werden.
Das Fachknow-how der überwiegend öffentlich organisierten
deutschen Wasserwirtschaft ist zunehmend gefragt. Entscheidend für
den Erfolg in einem immer kompetitiver werdenden Markt sind jedoch
Kapital, Erfahrungen im Bereich Betriebsführung und Management
sowie Know-how im Umgang mit rechtlichen Strukturen eines regulierten
Markts. Dieses Know-how wird um so wichtiger, da Risiken aus einem
langfristigen Projektumfeld, z.B. bei Konzessionen über 30
Jahre, abgesichert werden müssen.
Im internationalen Wettbewerb kommt es vor allem darauf an, unternehmerische
Erfahrung und Engagement glaubhaft darzustellen. Dabei haben französische
und britische Unternehmen der deutschen Wasserwirtschaft viel voraus.
In Großbritannien hat die Privatisierung der Wasserwirtschaft
vor mehr als 10 Jahren stattgefunden. Heute schreiben Industriebetriebe
ihren Wassereinkauf aus, wie bei uns seit Kurzem im Elektrizitätsbereich.
Die inzwischen börsennotierten britischen Wasserunternehmen
exportieren ihr Know-how weltweit.
Die Frage, inwieweit die deutsche Wasserwirtschaft exportfähig
ist oder zunächst privatisiert bzw. restrukturiert werden muss,
wurde auf der Tagung des BEWs von mehr als 50 Fachleute diskutiert.
Frau Staatssekretärin Friedrich vom nordrhein-westfälischen
Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Raumordnung und
die Vertreter der wasserwirtschaftlichen Verbände sehen die
derzeitigen Strukturen als völlig ausreichend und leistungsfähig,
um das deutsche Know-how zu exportieren. Liberalisierungs- und Privatisierungsabsichten
wurden hier eine klare Absage erteilt. Kooperationen der großen
Verbände an Ruhr und Emscher werden hingegen als wegweisende
und zukunftsfähige Strukturen gesehen.
Herr Sommer von der Weltbank wies darauf hin, dass in Lateinamerika
viele lokale Akteure in die Wasserwirtschaft investieren und dort
die Marktzutrittsbarrieren nicht so hoch sind.
Die Bedeutung von Kooperation (z.B. mit international erfahrenen
Ingenieurbüros und Baufirmen) wurde angesichts der Größe
der Aufgabe ebenfalls unterstrichen.
Die Bundesregierung engagiert sich im Wasserbereich weltweit mit
Schwerpunkt in der Entwicklungszusammenarbeit. So werden in diesem
Bereich pro Jahr mehr als DM 800 Millionen ausgegeben. Die Unterstützung
von privatwirtschaftlichen Modellen nimmt dabei einen immer größeren
Raum ein. So spielt Private Sector Participation (PSP) bereits bei
30% der neuen Projektansätze der Kreditanstalt für Wiederaufbau
eine Rolle.
Gerade diese Themen werden im Rahmen einer UN Konferenz der Bundesregierung
Anfang 2002 entsprechend vertieft.
Herr Heidborn vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft
stellte bei der Fachtagung das mit der deutschen Wasserwirtschaft
erarbeitete "Aktionsprogramm nachhaltige Wasserwirtschaft"
vor. Im Rahmen dieses Aktionsprogramms sollen innovative angepasste
Ver- und Entsorgungstechniken in Entwicklungsländern, wie ein
"Transfer des Wissens über Köpfe", gefördert
werden.
In die ehemals hoheitlich organisierte deutsche Wasserwirtschaft
ist bereits erhebliche Bewegung gekommen. Ob diese Bewegung ausreicht,
um signifikant am sich rapide entwickelnden Weltmarkt teilzunehmen,
bleibt abzuwarten. Nur eine noch engerer Schulterschluss zwischen
den verschiedenen Akteuren der Wirtschaft einerseits und zwischen
Politik und Wirtschaft andererseits kann einen deutschen Beitrag
zur Lösung der weltweiten Wasserprobleme und eine Teilnahme
an diesem Globalen Wachstumsmarkt sichern.
Weitere Informationen erhalten Sie beim BEW:
Bildungszentrum für die Entsorgungs- und Wasserwirtschaft GmbH
|